In Memory of Painting 6: Birgit Megerle & Alexander Wolff
November 21 – December 19, 2009
In Memory of Painting 6:
Birgit Megerle & Alexander Wolff
November 21 - December 19, 2009
In Memory of Painting
Memory is isolated and put away in a painting container in the garage.
Can u collaborate with collaboration?
Painting is commonly seen as a solitary practice in the studio. We’ve chosen our tendency towards ornamentation as mutual affinity.Every picture rests better in one’s memory than life itself. The Fabriano paper roll carries the slapstick comedy of flying waiters and whirling chairs, and the black pseudo-Thonet of steel with a fake bast mesh evokes the atmosphere of French bistros in the Majorcan studios. There’s furniture all over - all over painting. We also want to participate in wavy-line painting! The young artist wants to create something people can desire or detest. His image will also be taken apart. Actors, activists, waiting viewers, silent critics: a life-size collage arrangement. Textile modules shaped like dress patterns can hold our image and theirs.
Everyone may decide individually whether or not to get involved.
(Text Birgit Megerle and Alexander Wolff)
In Memory of Painting
Erinnerung wird isoliert und in der Garage im Malereicontainer abgestellt.
Can u collaborate with collaboration?
Die Malerei ist zumeist als allein im Atelier zu produzierende Praxis charakterisiert. Den Hang zur Ornamentbildung haben wir als Wahlverwandschaft gewählt. Jedes Bild ruht besser im Gedächntis als das Leben selbst.Die papierne Fabriano Rolle trägt die Situationskomik fliegender Kellner und wirbelnder Stühle und der schwarze Pseudo Thonet aus Stahl mit stählernem Bastgeflechtgitter erzeugt französische Bistrostimmung in den mallorquinischen Ateliers. Möbel gibt es überall - all over painting. Wir wollen auch bei der Schlangenlinienmalerei mitmachen. Der junge Künstler will etwas herstellen, was die Menschen begehren oder auch verabscheuen können. Auch sein Image wird auseinander genommen werden. Schauspieler, Akteure, wartende Besucher, schweigende Meinungsträger, ein Collage-Arrangement in Lebensgrösse. Stoffmodule in Kleiderschnittform können unsere und ihre Bildträger werden.
Jeder darf selbst entscheiden, ob er eingreifen möchte oder nicht.
(Text Birgit Megerle und Alexander Wolff)

Birgit Megerle & Alexander Wolff
Installation view
Layr Wuestenhagen, 2009
Birgit Megerle & Alexander Wolff
Installation view
Layr Wuestenhagen, 2009
Birgit Megerle & Alexander Wolff
Installation view
Layr Wuestenhagen, 2009
Birgit Megerle & Alexander Wolff
Installation view
Layr Wuestenhagen, 2009
Birgit Megerle & Alexander Wolff
Installation view
Layr Wuestenhagen, 2009
Birgit Megerle
Nadira, 2009
Acrylic on paper, 184 x 72 cm
Birgit Megerle
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 87 x 49 cm
Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic, spraypaint on linen and cotton, 120 x 160 cm, format variable
Birgit Megerle
Hannes, 2009
Acrylic on paper and cardboard,
175 x 53 cm
Birgit Megerle and Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 250 x 300 cm
Birgit Megerle and Alexander Wolff
Bernhard, 2009
Acrylic on paper and cardboard,
175 x 53 cm
Birgit Megerle and Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 100 x 110 cm
Birgit Megerle and Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 89 x 113 cm
Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 150 x 100 cm, format variable
Alexander Wolff
Untitled, 2009
Acrylic on canvas, 300 x 50 cm, format variable

Encore une fois: Die Aufführung der Malerei im Werk von Alexander Wolff
von Elisabeth Fritz
Würde man die Selbstreferentialität der Arbeiten von Alexander Wolff und die dabei stattfindende Auseinandersetzung mit Grundbedingungen der Malerei, welche eine „bemalte Fläche erfüllen muss, um als Bild erlebt zu werden“ ehe es „aufhört, ein Bild zu sein, und sich in ein willkürliches Objekt verwandelt“[1], nur als Formalismus, Reduktion und Tautologie verstehen, wäre das allzu verkürzt. So ist seine Kunst nicht nur durch eine intensive Beschäftigung mit den Bedingungen und der Geschichte des Auftretens spezifischer formaler Strukturen fundiert, sie ist vielmehr auch als ein kontinuierliches Durch-Spielen von Konstellationen und Choreografien von Bildern und ihren möglichen Bedeutungsreferenzen in konkreten räumlichen Situationen zu verstehen.
“A seam ist eine Nahtstelle is a division is a line ist ein Strich ist eine Linie.“[2]
Der spielerische Charakter im Werk von Alexander Wolff zeigt sich nicht nur in den zahlreichen Wortspielen und kontextuell angewandten Zitaten, welche in seinen Texten, bei Performances oder als Werk- bzw. Ausstellungstitel zu finden sind. Die von ihm erschaffenen Anordnungen beruhen selbst auf einem spielerischen Zugang, sind sie doch experimentelle Zusammenstellungen von Formen und deren Wirkungen. Für seine großformatigen Wandbilder setzt der Künstler ausgehend von der jeweiligen Licht- und Raumsituation schwarze und weiße Farbe, sowie vor Ort oder im Atelier gesammelten Schmutz ein und ergänzt die Strukturen jeweils durch variierende andere Materialien, die mit dem Ausstellungsort zusammenhängen, wie zum Beispiel aufgesammeltes Straßenholz, Druckmaterial als Papier-Collé, ein freigelegtes Keramikrelief, Glasscherben oder gemusterte Vorhangstoffe aus seinem Elternhaus. Die zunächst einfache Logik der an der Wand geschaffenen Strukturen aus sich überschneidenden Linien wird dabei durch kleine Differenzen in den Symmetrien und in den Positiv- oder Negativsetzungen einzelner Flächen, sowie durch die Durchmischungen von Raum, Materialien und Farbtönen gestört. Es kommt zu einem Oszillieren des Blicks zwischen einzelnen Elementen und der Gesamtstruktur. Nicht nur die sich über die ganze Fläche durchziehenden Linien verwirren durch perspektivische Effekte und Verkürzungen, auch die konkrete Materialität der einzelnen Elemente mit ihren zahlreiche Referenzen tragen zur Verwirrung und Verunsicherung beim Versuch der Wahrnehmung einer einheitlich geordneten Bildstruktur bei.
Durch die scheinbar nur lose befestigten Textilstücke aus Filz und Malereistoffen wie Baumwolle, Leinwand, Leinen wird der provisorische, zufällige und prekäre Charakter der Wandbilder zusätzlich verstärkt. Sie hängen schwer oder locker nach unten, bilden Falten, kippen zur Seite oder nach vorne – sie sträuben sich regelrecht gegen eine mögliche Decodierung als positive Form auf einer zweidimensionalen Ebene, brechen mit der Klarheit der den Blick leitenden Linie und verleihen der Gesamtkonstruktionen die skulpturale Qualität eines Reliefs. Textilien kommen im Werk von Alexander Wolff jedoch nicht nur als Elemente der Wandbilder zum Einsatz, sie bilden auch eigenständige, von der Wand ablösbare Bildstrukturen in Form von Vorhängen. Das Zusammennähen von Stoffen als möglichst enge, dem Material entsprechende Verbindung, sowie die Naht als Ort der Berührung, verschmelzender und wieder auflösbarer Übergang von einem Teil zum nächsten fasziniert den Künstler generell als malerische Geste – so kam diese Technik zuerst auch für seine Bilder zum Einsatz. Als farbige oder gemusterte Stoffflächen, die vor einer Wand hängen, können Vorhänge zudem Aufschlüsse auf die skulpturalen und räumlichen Möglichkeiten von Malerei geben: sie haben eine Vorne und ein Hinten bzw. verdecken ein Dahinter, sie können gerafft, verschoben und an verschiedenen Orten eingesetzt werden, und durch die Befestigung am oberen Rand und die am Hinunter-Hängen ablesbare Schwerkraft beziehen sie auch die Decke und den Boden des Raumes mit ein. Im Theater dienen sie zudem der räumlichen und zeitlichen Markierung von Momenten und Situationen, der Unterscheidung zwischen Bühne, Spiel- und Realraum.
„... I was the author of the situation, not of the elements.“[3]
Dass der Vorhang ein zentrales Motiv in Alexander Wolffs Arbeit ist, ist im Hinblick auf die „Theatralität“ seiner ästhetischen Konstellationen und deren Eignung als Erfahrungsraum, Bühnenbild oder Requisite nicht verwunderlich. So arbeitet der Künstler auch direkt mit Tanz und Choreografie zusammen, wie mit Alice Chauchat, für welche er ein Bühnenbild in modernistischer Formensprache geschaffen hat. Bei der Präsentation der Skulpturen und Bilder auf der Art Basel (2005) bleibt der Charakter als Setting zur performativen Benutzung und der unbestimmte Status der Objekte dabei spürbar.
Die Rekontextualisierung und Variation von Anordnungen spielt der Künstler immer wieder durch. Waren es bei der Ausstellung „Fantasien totaler Selbstpräsenz“ (2005) in Wien noch Titel wie „Unmittelbarkeit der Darstellung“, „Wiederkehr der Traditionen“, „Sein Eigenes bleibt den Zeitgenossen unbekannt“, „Welt ohne Zentrum“ oder auch „o.T.“, die beliebig und austauschbar auf verschiedenste Bilder angewandt wurden, so machte er für die Serie „Détournements“ (2007) die geformten Bildträger selbst auflös- und veränderbar. Die mit unterschiedlichen Techniken bedruckten oder bemalten Textil-Module suggerieren eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten der mit Knöpfen verbundenen „Puzzle-Teile“. Ein modernistisches Verständnis von „Shaped Canvases“, wo die Leinwand als Objekt mit einer bestimmten Form der innerbildlichen Komposition als Makrostruktur dominant übergeordnet ist bzw. die Mikrostruktur unmittelbar vorgibt, wird hier sozusagen umgekehrt und dynamisiert: Aus vielen einzelnen „geformten Leinwänden“ mit rechteckigen, dreieckigen oder runden Anschlussstellen können immer wieder andere Strukturen gebildet werden, deren Gesamtform dann durch die unterschiedlichen Einzelelemente neu generiert wird. Passenderweise ist der Titel der Serie, der sich auf Prozesse der Umdeutung oder Umlenkung des gewohnten Einsatzes eines Mediums bezieht, aus der Terminologie der Situationistischen Internationale entliehen, wo die subversive Umkehrung oder ironische Verschiebung gewohnter Bedeutungen zur Schaffung von ungewöhnlichen Situationen mit künstlerischem Potential eingesetzt wurde. Somit kann hier Malerei durch ihre ständige Veränderbarkeit als eine Abfolge von konkreten Situationen mit kontextuell sich verändernden Bedeutungen und der Künstler als ein Autor von raum- und zeitbezogenen Konstellationen aus bereits vorgegebenen Elementen verstanden werden.
Für seine „Ausstellung für leidenschaftlich an sich selbst Interessierte“ (2009) ließ Alexander Wolff schließlich die in all seinen Werken inhärente Veränderbarkeit und Momenthaftigkeit auch tatsächlich aufführen. Dort zeigte er einerseits eine Reihe von mit Klettverschlüssen verbundenen Stoffstücken (“Non Commodities“, 2009) und andererseits verschiedene auf Keilrahmen gespannte Arbeiten vor Hintergründen aus Farbe, Holzfurnier, Raufasertapete, einem Vorhangstoff aus dem Elternhaus, Kacheln und einem Spiegel, deren Formate wiederum Bezug auf die Fenster und Türen der Räume oder die Bilder selbst nahmen. Im Lauf der Ausstellung wurden die Anordnungen innerhalb der Stoff-Zusammenstellungen sowie die räumlichen Verteilung der Bilder vor verschiedenen Untergründen wöchentlich vom Galeriepersonal verändert und neu gesetzt. Malerei wird dabei zur Inszenierung im Sinne einer „öffentliche[n] Herstellung eines vorübergehenden räumlichen Arrangements von Ereignissen, die in ihrer besonderen Gegenwärtigkeit auffällig werden“[4]. Ist eine solche Definition aber überhaupt auf Malerei übertragbar oder sollte man dann besser einfach gleich von Installation oder Environment sprechen? Dann würden wohl viele interessante und kunsthistorische Bezüge verloren gehen und wichtige Grundlagen missverstanden werden.
„… so wurde Malerei ein Flyer, theatralische Requisite, Stätte theoretischen Schutts, Musik/malerische Partituren, eine Tür, ein Gefühlsverstärker, Ort eines Wortspiels …“[5]
Der Diskurs über Malerei im Werk von Alexander Wolff findet nicht nur immanent, in der Analyse der abstrakten, formalistischen und nichtrepräsentativen Formensprache des Mediums statt, sondern auch an vielen anderen Orten. So arbeitet er als Mitherausgeber einer Zeitschrift, Musiker sowie in zahlreichen künstlerischen Kollaborationen[6], und setzt sich theoretisch mit der Vagheit und den Rekontextualisierungsmöglichkeiten von Zitaten und rhetorischen Floskeln aus der Geschichte der Kunst wie Populärkultur auseinander. In den Arrangements kommen grundsätzliche Fragen und traditionelle Topoi der Malerei, wie Repräsentation und Selbstreferentialität, Farbe und Form, Dekor und Funktionslosigkeit oder subjektiver Ausdruck und gesellschaftliche Relevanz ebenso auf, wie Aspekte der Performativität. „Theatralische“ Mittel wie Rhythmus, Wiederholung, Instabilität, Variabilität, Fragmentierung oder Offenheit werden von ihm bei der fortdauernden Aufführung von Malerei eingesetzt und zeigen diese als eine ortsbezogene künstlerische Tätigkeit, die sich durch allmähliche Annäherung zwischen Affirmation und Selbst-Hinterfragung nur in einer jeweils konkreten Situation ereignen kann.
Anmerkungen
[1] Clement Greenberg, „Modernistische Malerei“, in: Kunsttheorie im 20. Jahrhundert. Künstlerschriften, Kunstkritik, Kunstphilosophie, Manifeste, Statements, Interviews, hrsg. v. Charles Harrison und Paul Wood, Ostfildern-Ruit 2003, S. 931-937, hier: 934.
[2] Alexander Wolff, „Ökonomie und Postconceptual painting“, in: Zeus, Zeitschrift No.14, March 2008, S. 9.
[3] Michael Asher, Writings 1973-1983 on Works 1969-1979. Written in Collaboration with Benjamin H.D. Buchloh, Halifax/Los Angeles 1983, S. 209.
[4] Martin Seel, „Inszenieren als Erscheinenlassen. Thesen über die Reichweite eines Begriffs“, in: Ästhetik der Inszenierung. Dimensionen eines künstlerischen, kulturellen und gesellschaftlichen Phänomens, hrsg. von Josef Früchtl und Jörg Zimmermann, Frankfurt am Main 2001, S. 48-62, hier: 55.
[5] Jutta Koether, „Große Erwartungen: Jutta Koether im Gespräch mit Sam Lewitt und Eileen Quinlan“, in: Jutta Koether (Ausst. Kat. Kölnischer Kunstverein/Kunsthalle Bern), Köln 2006, S. 148-156, hier: 149.
[6] Mit Christian Egger, Manuel Gorkiewicz, Christian Mayer, Yves Mettler, Magda Tothova und Ruth Weismann gibt Alexander Wolff seit 2002 eine Zeitschrift mit wechselndem Titel heraus. Vgl. http://www.theselection.net/zeitschrift. Zusammen mit Christian Egger, Manuel Gorkiewicz und Markus Krottendorfer tritt der Künstler als die Band „Beauties of the Night“ auf. In Kollaboration mit Erin Olivia Weber und Yves Mettler entstanden Performances wie “Classic Rock, Classics and Classical“ (2008) und “And he doesn’t even have the good Robert Smithson book“ (2009). Für seinen Beitrag zum Ausstellungsprojekt „In Memory of Painting“ (2009) arbeitete Alexander Wolff mit Birgit Megerle zusammen.