Im Rausch des immer Gleichen - der Meere und der Liebe Wellen Fische und Vögel sind wohl jene Tiere, die sich am ehesten dem Tastsinn verweigern - sie entschlüpfen oder entfliegen (Wellensittich entflogen! Finderlohn) leichthin in ihr bevorzugtes Element Wasser oder Luft, dem Zugriff des bodenhaftenden Menschen ohne instrumentellen Einsatz entzogen. Interessanterweise erfordert dieses elementar Flüssige oder Gasförmige eine besonders klare und transparente Definition des Verwahrungsbehältnisses als Aquarium oder Vogelkäfig, selten Voliere. Der sonst nur durch Erdanziehungskraft und Erdmassenausdehnung begrenzte unüberschaubar große Aufenthaltsraum von Vogel und Fisch muss aufs extremste beschnitten werden, um das Tier als symbolische und handhabbare Essenz von Freiheit in die menschliche Behausung zu zwängen. Nur die Stubenfliege ergibt sich durch ihre freiwillige, wenn auch ungebetene Anwesenheit und ihre Rundflüge um den Kronleuchter beharrlich dem Rausch des immer Gleichen. Ausgehend von dieser kleinteiligen Laborsituation als Zähmung einer dichotomisch aufgebauten wilden Natur beschreibt Andrea Witzmann in ihrer Versuchsanordnung raumproduzierende Maßnahmen, die gleichzeitig Schutz und Verletzlichkeit wiedergeben. 'Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 1' eröffnet den Blick auf eine durch Lichtkegel aus dem Dunkel herausgehobene Bungalowterrasse. Die starken Schlagschatten, erzeugt durch die einseitige Beleuchtung sowie das leicht hochgezogene Rolleau vor dem Panoramafenster vermitteln das Gefühl von menschlicher Präsenz, einer bevorstehenden Heimkehr der BewohnerInnen zu Tisch und Stühlen - ein spätes Zusammensein in der lauen Sommernacht. Die Betrachterin blickt allerdings aus dem Dunkel auf das Tableau und wird sich gerade deswegen auch der Ausgesetztheit der Szenerie durch die intensive Fokussierung bewußt - zentrales Licht läßt bedrohliche Nachbarschaften im Dunkel verschwinden. 'Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 2' erzählt bereits von der ordnenden Kraft der Erinnerung. Als Versatzstücke von Meeresrauschen und heißen Tagen zeugen eine im Regal deponierte Decke und dunkle Trauben von Containment, Nachhaltigkeit und Konservierung - gleichsam indexikalische Zugriffsrechte auf den Memory-Stick. Ulrike Sladek

Leben im Bodenlosen 1, 2008, (Aquarium) Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 1 2008, C-Print, Ed. 5, 108x140cm Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 2 2008, C-Print, Ed. 5, 108x140cm


Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 1 2008, C-Print, Ed. 5, 108x140cm

Im Rücken das Rauschen des Schwarzen Meeres 2 2008, C-Print, Ed. 5, 108x140cm

Leben im Bodenlosen 2 2008 (Käfige/Birdcages)

Otto und Ottokar 1, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm Otto und Ottokar 2, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm

Otto und Ottokar 1, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm

Otto und Ottokar 2, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm

Im Rausch des immer Gleichen, 2007, C-Print, Ed. 5, 108x140cm

Installation view Halfpipe, 2006, fine art print, Ed. 5, 100x134cm Bangkok, Video, 11 Minuten

Installation view Bangkok, Video, 11 Minuten

Waste, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm Halfpipe, 2006, fine art print, Ed. 5, 100x134cm

Waste, 2008, fine art print, Ed. 5, 100x134cm

Halfpipe, 2006, fine art print, Ed. 5, 100x134cm