(scroll down for english version) … und der Letzte macht das Licht aus. Die Ausstellung „schäbiger Mond, leuchte“ ist ein Konglomerat aus Dokumentation und künstlerischer Stellungnahme zu einer Reise, die mahony im Sommer 2006 durch das Elbsandsteingebirge in der Sächsischen Schweiz unternommen hat. Ausgangspunkt war die Hinterfragung von Landschaftsdarstellungen, die in einen kollektiven Vorstellungsapparat eingegangen sind. In einer Art Selbstversuch hat sich die Künstlergruppe auf den Weg gemacht, um sich der Landschaft vorort zu stellen und den ‚klassischen’ Darstellungen gegenüber zu positionieren, indem sie sich ihre eigenen Bilder davon gemacht hat. So wird Caspar David Friedrich - Synonym für unseren bedeutungsaufgeladenen Landschaftsbildfundus - in mehreren großformatigen Bildern buchstäblich in den Hintergrund gedrängt, indem Fragmente der unternommenen Reise farbenfroh vor seine Szenerien gesetzt werden. Gleichzeitig wird damit aber Stellung bezogen gegenüber dem Landschaftsbild der Romantik; die Naturdarstellung ist hier nicht mehr Ort der Kontemplation, sondern ist zum inhaltlichen Handlungsraum wie formalen Spielplatz umfunktioniert worden. So hat sich die ursprünglich bedeutungsschwangere Landschaft durch die Nitrofrottage in schmalspurige Drohgebärden verwandelt - z.B. in Form eines gerade noch erkennbaren herausragenden Kreuzes -, der das davor stehende Zweimannzelt allein durch seine beinahe akrobatisch anmutende Position und der Gewalt des Kofferradios souverän Paroli bietet. Die dazu leise aus dem daneben angebrachten Lautsprecher brodelnde Menge versucht noch Spannung zu erzeugen - wenigstens bis Italien endlich Weltmeister geworden ist. Ähnlich ergeht es der einsamen winterlichen Baumlandschaft, die nicht mehr Sinnbild für die kontinuierlich sich vollziehende Vergänglichkeit ist, sondern hier nur noch Ort formaler Reflexion, der Raum für eine sinnfällige Demonstration der durchlebten Strapazen bietet. So deutlich aber wie der ironische Unterton durch diese Arbeiten zu hören ist, so ernst zu nehmen ist die daneben ebenfalls thematisierte Problematik der Bedeutungszuschreibung künstlerischer Produktion. Das Spiel soll deshalb nicht zu leicht gewonnen werden. Aus diesem Grund wird der Umkehrschluß unternommen und profanen wie funktionalen Gegenständen durch ihre Titel eine neue Bedeutung zugeführt. „Die heilige Stiege“ z.B. ist ein sehr reduziertes, konzeptuell anmutendes Objekt, das durch seine Entfunktionalisierung eine aus dem alltäglichen Kontext losgelöste Betrachtungsweise ermöglicht. Gleichzeitig aber wird sie durch die sprachliche Ebene, die dem Objekt versucht eine romantisch transzendente Erhöhung zukommen zu lassen, konterkariert. Das „Pilgerwasser“ gehört zu einer ähnlichen Kategorie, das in seiner Präsentation kaum an eleganter Zurückhaltung zu überbieten ist und gleichzeitig, durch den Verweis auf seine ‚Produktionsstätte’, provokant gebrochen wird. Der Raum, den mahony dem Betrachter zur Verfügung stellt, ist der der Reflexion künstlerischer Sinn- und Bedeutungs(de)konstruktion. Dass sie dem Betrachter dabei nie wirklich eine Entscheidung für eine Seite der Wahrnehmung treffen lassen, liegt in dem vielschichtigen Verweissystem, das ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. Der Mond wird deshalb auch gleich in die Peripherie verbannt. Der Kontemplation ist aber auch dort, in der abgewandten Einsamkeit, nur scheinbar und schmunzelnderweise Tribut gezollt. Der Mond kann hier zwar noch kurzzeitig als Bild für den einzelgängerischen Rückzug fungieren, aber bei genauem Hinsehen ist er doch nur eine Illusion – und eine ziemlich schäbige dazu. Eine papierene Konstruktion, die nur noch sinnbildlich ihre Strahlkraft durch ihre Sichtaxe zur Sonne besitzt, denn eigentlich sind wir es, die den alten Kerl zum Leuchten bringen, auch wenn er sich im Schrank versteckt. Juliane Feldhoffer ...and the last one turns off the light. The exhibition “schäbiger Mond, leuchte“ (make-shift moon, lamp) is a combination of a documentation and artistic commentary on a trip that mahony took in the summer of 2006 through the Elbsandstein mountains in Saxon Switzerland. The point of departure was calling into question depictions of landscapes that have been incorporated in the body of collective imagination. As a sort of self-investigation, the artist group proceeded to experience the landscape on site and to oppose “classical“ representations by creating their own pictures of it. Caspar David Friedrich – synonymous for our repertory of highly allusive landscape images - is thus literally relegated to the background in a number of large-format paintings. Colorful fragments of the journey undertaken are placed in front of his scenarios. At the same time, this move also means taking a stance against the romanticist image of landscapes. The depiction of nature is no longer a place of contemplation, it now becomes transformed into a space of action or a formal playground. In this sense the originally very allusive landscape has become transformed into something marginally threatening through nitro frottage – e.g., in the form of a cross that hardly stands out and offers sound resistance to the two-man tent facing just by means of its almost acrobatic positioning and the powerful presence of the portable radio. The masses that can be heard seething from the loudspeakers set up right next to it seek to build up the tension – at least until Italy has finally become world champion. The solitary, winter landscape of trees has a similar fate – it is is no longer a metaphor for the relentless course of mortality. Here it also serves as a place of formal reflection, a space for a symbolic display of trials and tribulations. Yet as clearly as the ironic undertone resonates in these works, the issues related to the ascription of meaning in art production must also be taken seriously here. The game should thus not be too easily won. For this reason there is a reversal, with everyday, functional objects assuming a new meaning by virtue of their title. “Die heilige Stiege“ (Holy Staircase), for instance, is a very reduced, seemingly conceptual object which by virtue of being robbed of its original function allows for a perspective detached from its everyday context. At the same time, it is contrasted with the linguistic level which tries to elevate the object in a romantic and transcendent way. The “Pilgerwasser“ (Pilgrim’s Water) belongs to a similar category which can hardly be surpassed with regard to the reserved elegance of its presentation and at the same time it is provocatively disrupted through the reference to its site of production. The space that mahony provides the viewer is one of the reflection of artistic construction of sense and meaning. That they never give the viewer a chance to decide for one side of perception has to do with the multi-layered system of references that never let him come to rest. The moon is thus immediately relegated to the periphery. Even there, in splendid isolation, contemplation is only seemingly given deference to and this accompanied by a smirk. For just a short time the moon can serve as an image of solitary retreat but on closer scrutiny it is just as an illusion and a rather flimsy one at that. A paper-like construction whose radiance only exists symbolically, by virtue of its visual axis in relation to the sun, for in actual fact we are the ones that make the old guy laugh even if he is hiding in a closet. © Juliane Feldhoffer

Italien ist Weltmeister, 2007, Installation, Collage, Nirtro-frottage auf Karton, gerahmt, Lautsprecher, DVD 20 sec. Ton geloopt, Campingstuhl 170 x 270 cm

Italien ist Weltmeister, 2007, Installation, Collage, Nirtro-frottage auf Karton, gerahmt, Lautsprecher, DVD 20 sec. Ton geloopt, Campingstuhl 170 x 270 cm

Italien ist Weltmeister, 2007, Installation, Collage, Nirtro-frottage auf Karton, gerahmt, Lautsprecher, DVD 20 sec. Ton geloopt, Campingstuhl 170 x 270 cm

Heilige Stiege, 2007, Holz, Bitumen, Stahl 82 x 350 x 300 cm

Pilgerwasser, 2007, Objekt, 3 Gehstöcke, Sonnenschirm, Unterhose, PET-Flasche, Stahlplatte 50 x 50 x 100 cm

Pilgerwasser, Wandobjekt, 35 x 47 x 7 cm

Pilgerwasser, Wandobjekt, 35 x 47 x 7 cm

o.T., 2007, 4 S-W Fotografien, gerahmt, Auflage 1 je 50 x 40 cm

o.T., 2007, 4 S-W Fotografien, gerahmt, Auflage 1 je 50 x 40 cm


Gruppenbild mit Hünengrab, 2007, Collage, Nitrofrottage 90 x 122 cm

Junker Jörg, wo willst du hin, 2007, Collage, Nitrofrottage 90 x 120 cm


Schäbiger Mond, leuchte, 2007, Leuchtkasten 180 x 120 x 45 cm