Die Installation von Fabian Seiz in der „Garage“ von Layr Wuestenhagen Contemporary bezieht ihre Erscheinung und ihr Wesen unmittelbar vom Ausstellungsort selbst. Die beiden integrierten räumlichen Einheiten, aus denen die Installation besteht, wurden in struktureller Hinsicht, durch die identische Anlage von Ein- und Ausgang sowie Heizung und Abfluss, direkt vom umgebenden Raum abgeleitet und erscheinen somit als Resultat eines gleichsam multiplen Abbildungsverfahrens. Die einzelnen Raumelemente allerdings wurden im Zuge dieses Abstraktionsprozesses durch konkrete Gegenstände ersetzt, die das straffe Verhältnis von Original zu Modell zunehmend auflösen. Der anstatt der Heizung verwendete Bohrer etwa ist mit dieser nur über die Vorstellung verbunden, dass bei dessen Einsatz Reibung erfolgt, die wiederum die umgebende Luft erwärmt. Auf diese Art vollzieht sich in den beiden ineinander verschränkten Objekten eine schrittweise Verselbständigung ihrer einzelnen Teile, deren assoziative Verkettung mit ihrem gegenständlichen Ursprung immer loser wird, bis sie schließlich reißt – die Genese einer autonomen, abstrakten Skulptur. Oder etwa doch nicht? Bleibt der Abbildcharakter, wie der Titel der Installation suggeriert, dominant? Und überhaupt: Befinden wir uns in einer Garage oder einem Ausstellungsraum? Im Werk von Fabian Seiz scheinen sich die Dinge nicht unbedingt festhalten und einordnen zu lassen. Gattungsgrenzen verschwimmen mitunter ebenso wie die physischen Konturen der Objekte: Kleinformatige Zeichnungen erhalten ausladende, vielteilige Holzbegrenzungen, die sie in die Schwebe zwischen zweidimensionalem und dreidimensionalem Kunstwerk, zwischen Bilderrahmen und Rahmenbild versetzen. Wohlgemerkt, die Uneindeutigkeit der Objekte ist Folge und Prinzip zugleich. Das Bestreben, weiß Seiz aufgrund seiner künstlerischen Arbeitsweise, aus dem Wust und Chaos von Sperrholz und Holzabfällen abgeschlossen Konkretes entstehen zu lassen und somit Ordnung herzustellen, ist schwierig oder aussichtslos. Denn die Dinge sind vielseitig verwendbar, stets formbar und gleichermaßen geformt. Diese Erkenntnis stellt der Künstler materiell explizit aus und erweitert implizit deren inhaltliche Dimension. Er zeigt, dass die Teile selbst aus Teilen bestehen, die wiederum konstruiert oder zusammengesetzt sind, und verweist damit auf die allgemeine Unbeständigkeit der Formen und ihrer Bedeutungen, die sich nur aus dem jeweiligen Zusammenhang ergeben Er offenbart, dass das Entstandene nicht sein muss, wie es ist, sondern auch anders sein und aussehen könnte. Die Formen erscheinen auf diese Art im freien Fluss, der erst durch die Hand des Künstlers und das Auge des Betrachters zu einem Tisch, einer Raumecke oder einem Bilderrahmen erstarrt. Die Objekte von Seiz werden so zu Vehikeln einer allgemeineren Erkenntnis, der Einsicht in den konstruierten und kontingenten Charakter wesentlicher Aspekte unserer Wirklichkeit. In der Installation 2nd version präsentiert sich diese Werkcharakteristik gleichsam in nuce. Die reduktive Überführung des Ausstellungsraums in modellhafte Gegenstandskombinationen, die aufgrund der vorgenommenen funktionalen Verschiebungen gegenüber dem ursprünglichen Objekt alternative Möglichkeiten für dessen architektonische Lösung ins Bewusstsein rufen, gerät zum Sinnbild für die Überzeugung, einer weitgehend durch Zufälligkeiten entstandenen Welt gegenüberzustehen. In einer solch instabilen Welt, in der die Dinge und ihre Bedeutungen in ein dynamisches System wechselseitiger Referenzen eingebunden sind, ist es alles andere als ausgeschlossen, so die Botschaft von Fabian Seiz, dass das Abhängige autonom und die Zweitversion zum Original wird. Maximilian von Geymüller

2nd version, 2008, reconstruction and interpretation of the garage, different materials, wood, audiorecording of running water, fridge, ventilator, ... appr. 3,5x3,5x2,25cm


2nd version, 2008

2nd version, Fig. b, 2008, different materials

2nd version, Fig. b, 2008, different materials

2nd version, Fig. b, 2008, different materials

audio player with audio recording of running water

2nd version, 2008, garage exit